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Wo der Wald beginnt ...
   

Die Landesdarre Sachsen-Anhalt in Annaburg gehört als einzigste namhafte Einrichtung ihrer Art im mitteldeutschen Raum zu den ältesten und traditionsreichsten Klengen Deutschlands. In der seit ihrer Erbauung im wesentlichen unveränderten Anlage und Einrichtung ist sie heute ein historisches Zeugnis forstwirtschaftlichen und forstwissenschaftlichen Wirkens von Generationen von Forstleuten.

Ihrer Tätigkeit lag der Gedanke zu Grunde, daß sich nur aus herkunftsgesichertem Saatgut gesunde, betriebssichere und leistungsstarke Wälder erziehen lassen. Eine nachhaltige Versorgung mit entsprechenden Saatgut ist dafür unerläßliche Voraussetzung.

   

Die Gelegenheit zum Bau der Darre bot gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Umstand, daß die fiskalischen Darren im damaligen Preußen zur Beschaffung des für die Landforsten erforderlichen Kiefernsamens nicht mehr genügten. Als Ort wurde die damalige Oberförsterei Annaburg (ehemaliger Regierungsbezirk Merseburg) gewählt, da dieser zentral gelegen und am Schnittpunkt mehrere Chausseen und Landwege sowie durch die gerade im Bau befindliche Eisenbahnstrecke Annaburg - Prettin gut erreichbar war. Auch boten die ausgedehnten Kiefernwälder um Annaburg die Gewähr für das erforderliche Aufkommen von Zapfen als erstes Ausgangsmaterial zur Gewinnung von Kiefersaatgut.
Unter Leitung des damaligen Forstmeisters STUBENRAUCH begann 1897 der Bau der Darre. Die war konzipiert für die Aufnahme von bis zu 200 Tonnen Kiefernzapfen jährlich, was einer Ausbeute von etwa 3 Tonnen reinen Saatgutes entspricht. Schon bald nach Fertigstellung und Probelauf im Jahr 1903 wurde sie wegen ihrer hohen Leistungskraft zu einer Hauptdarre Deutschlands erklärt.

   

Als ersten Darrleiter setzte Forstmeister STUBENRAUCH den weithin bekannten Forstwissenschaftler HAAK (1873-1917) ein. Das Einzugsgebiet der Darre erstreckte sich von Oppeln - Breslau bis Lüneburg und Schleswig-Holstein. Darüberhinaus wurden auch Kieferzapfen aus dem mittel- und süddeutschen Raum zur Klengung aufgenommen.

Ein weiteres Charakteristikum der Darre war und ist neben hoher Leistungskraft und hohem Einzugsgebiet die überzeugende Qualität des bereitgestellten Saatgutes. Höchste Reinheitsgrade und Keimprozente sind hier Standard. Dieser Umstand führte insbesondere nach 1945 dazu, daß sich das Aufgabenprofil neben der forstwirtschaftlich orientierten Tätigkeit erwieterte, indem eine Anzahl von Landwirtschaftsbetrieben hier ihr Vermehrungsgut gewinnen und trocknen ließen wie z.B. Rüben- und Sonnenblumensamen, Mais, Lupine und Erbsen.

Mit der Darre Annaburg besitzt das Land Sachsen-Anhalt heute einen eindrucksvollen Ort deutscher Forstgeschichte.
Sie ist eine solide Basis für die Gewinnung, Lagerung und Verteilung von Forstsaatgut. Ihre Handelstätigkeiten und Lohnleistungen stellen eine zuverlässige Einnahmequelle der Landesforstverwaltung dar.
Sie sichert alle Voraussetzungen für das Wirken einer zentralen Einrichtung für alle Belange des Saatgutwesens in der Forstwirtschaft als Eigentumsformen des Landes und die Durchsetzung der gesetzliche Anforderungen und forstpolitischen Zielstellungen in dieser Branche.

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